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Flora

Madeira wird nicht umsonst „Blumeninsel“ oder „Schwimmender Garten des Atlantiks“ genannt. Für die Vielfalt und Einzigartigkeit seiner Flora ist die Insel weltweit berühmt.
Die wenigsten Besucher, die die Blütenpracht ganzjährig bestaunen, wissen jedoch, dass kaum eine Blume ursprünglich von hier stammt. Viele dieser prächtigen Blumen wurden eingeführt und erst später hier heimisch. Nur etwa 16% der Pflanzen sind endemisch und wachsen sonst nirgends auf der Welt.
Von den auf der Insel vorkommenden Pflanzen kannten die Pioniere wenig mehr als den wilden Fenchel, "funcho", nach ihm wurde die heutige Hauptstadt Funchal benannt.
Der Wandel von der Wald- (Madeira bedeutet Holz) zur Blumeninsel vollzog sich im 18. Jahrhundert. Kaufleute und Aristokraten brachten attraktive tropische, subtropische und exotische Pflanzen nach England, um damit Orangerien, Gärten und Parks zu schmücken. Madeira diente als Zwischenstation auf dem Weg nach England, um die Pflanzen zu akklimatisieren. Deshalb findet sich auch jede auf Madeira vorkommende Spezies im Botanischen Garten in Funchal.

Aus Südafrika kamen Strelitzie, Protea, Aloe, Agapanthus, Fackellilie und Kalla, in Japan wurden Kamelie, Hortensie, Liguster und Orchideen verschifft, aus China Hibiscus, Jasmin und Feuerdorn herbeigeschafft. Jacaranda und Korallenbaum waren Importe aus Brasilien, aus Australien reisten Flammenbaum und Mimose an, aus Mexiko Agave, Dahlie, Zinnie und Poinsettiagewächse. Unter den Gartenbesitzern entwickelte sich so ein "Wettbewerb" und angesehen war der, der zu jeder Jahreszeit etwas zum Blühen brachte.

Die Natur ist Madeiras kostbarster Schatz. Als Wanderer oder mit dem Bike kann man die verschiedenen Vegetationszonen erkunden.

DIE FLORA DER KÜSTENZONE

Die Küstenvegetation besiedelt den Bereich bis auf rund 300m Höhe. Der Kanarische Drachenbaum (Dracaena draco) gehört zu den markantesten Vertretern der makaronesischen Flora. Zahlreiche Arten von Wolfsmilchgewächsen kommen vor, wie das bis zu 2 Meter hohe Fischfang-Wolfsmilchgewächs. In den Felsenregionen sind seltene Dickblattgewächse, teilweise nur hier beheimatet, zu finden. Im Wesentlichen handelt es sich um das Drüsen-Aeonum, welches sich auf senkrechte Felswände spezialisiert hat. Auffällig ist es durch seine 20-30cm flache Blattrosette. Ein Ableger davon ist das in Sträuchern heranwachsende Kleb-Aeonium, ebenfalls oft zu finden.

Sehr weit verbreitet sind unter den einheimischen (endemischen) Pflanzen die Korbblütler, wozu Strohblumen, Gänsedisteln und die Wucherblume gehören. Wo der Wald abgerodet wurde, wurden Terrassenfelder für den Anbau von Bananen, Zitrusfrüchten oder Wein angelegt. Obst und Gemüse wurden wichtige Exportartikel für Madeira.

Um der Erosion vorzubeugen, die eine Folge der Abholzung der Wälder war, hat man aus Australien den Eukalyptusbaum eingeführt. Dieser wächst schnell und verankert sich im Boden. Leider ist der Eukalyptusbaum vor allem auf der Südseite der Insel zur Plage geworden. Er zieht durch sein Wurzelwerk das Wasser aus dem Boden und gibt somit anderen Pflanzen keine Chance zum Überleben.

DER LORBEERWALD (LAURISILVA)

 Die Übergangszone zum Lorbeerwald, ab einer Höhenstufe von 300m bis 800m, weist noch Reste der ursprünglichen Wälder Madeiras auf. Zu ihren Vertretern gehören bereits Bäume, die wir auch im Lorbeerwald finden können – die Wachsmyrte, die ersten Vertreter der Barbusanos und der Kanarischen Weide. Bedingt durch den Nebelniederschlag sind die Wälder sehr feucht. Zu den charakteristischen Baumarten im Laurisilvawald zählen der Azoren- oder Kanaren Lorbeer, die Kanaren Stechpalme, die Baumheide, der Madeira Holunder sowie der Madeira Lorbeer. Im Unterwuchs des Lorbeerwaldes wachsen vor allem Farne und Moose.

DER HEIDEWALD MADEIRAS ...

... ist die Übergangszone zwischen dem Lorbeerwald und dem Hochgebirge. Oberhalb der Lorbeerwälder herrschen in den Hochlagen raue Klimabedingungen. Dominant sind hier die Baumheide und die Besenheide. Alle hier vorkommenden Pflanzen werden oft bis zu vier Meter hoch, bleiben aber auch an einigen Stellen buschartig niedrig. Auch die Madeira Heidelbeere, die bis zu sechs Metern hoch werden kann, ist hier häufig zu finden.

DIE FLORA DES HOCHGEBIRGES

Das Hochgebirge ist durch karge, steinige und sehr dünne Böden gekennzeichnet. Neben der Madeira Heidelbeere und Baumheide finden wir an geschützten Stellen noch den Madeira Vogelbeerbaum, die Eibe und den Kanaren Wacholder. Auch einige endemische Pflanzen wachsen hier, wie z.B. die Armeria, die wie eine Rose aussieht. Sie hat jedoch keine Stacheln. Die bekannteste Pflanze ist der Madeirastolz. Die Madeira Glockenheide hat sich an die Hochgebirgsbedingungen angepasst. Auf dem Hochplateau Paul da Serra haben Abholzungen dazu geführt, dass hier fast nur noch Gräser, Adlerfarn und Stechginster zu sehen sind. Neuere Aufforstungen sollen wieder zu einer Bewaldung führen.


Fauna

Die Fauna Madeiras hält sich meist vor neugierigen Blicken verborgen.
Dennoch: Rund 40 Vogelarten wurden auf der Insel bisher gezählt. Bussarde kreisen über die Gipfel, im Lorbeerwald leben das Goldhähnchen, der Buchfink und die Bachstelze. An der Küste lässt sich der Grüne Kanarienvogel sehen und hören. Möwen, Fischreiher und Wellenläufer, Sturmschwalben und nicht zuletzt der seltene Madeira Sturmtaucher sind die vertretenen Seevögel.

Im Atlantik rund um Madeira gibt es Tiefseefische wie den Degenfisch (Espada), den Rotbarsch oder den Schellfisch. Papageienfische, Brassen, Barben oder Sardinen kann man beim Tauchen bewundern. Thunfische, Wale, Delphine und Mönchsrobben lassen sich mit etwas Glück beim Wale Watching bewundern. Die einzige Reptilart ist die kleine Mauereidechse.

Viele von den 700 Insektenarten auf Madeira sind endemisch. Eine Besonderheit findet sich nur auf den unbewohnten Ilhas Desertas: Eine Tarantel von rund 4,5 cm Körperlänge.

Wussten Sie schon?

Hirtenspieß: "Espetada"


Die leckeren Fleischspieße sind eine ganz besondere Spezialität der Insel. Frisches Rindfleisch wird in Stücke geschnitten und gewürzt mit grobem Salz, Knoblauch und Lorbeerblättern. Das  Fleisch wird auf lange Metallspieße gesteckt (früher waren diese aus Loorberholz) und gegrillt wird es über offener Holzkohle.

Dazu gibt es frisches Bauernbrot und „Vinho Seco“. Das Fleisch, medium gegrillt, ist sehr zart und duftet nach Lorbeer- und Knoblauch. Oft gibt es in den Dörfern bei den Metzgereien solche Grillstellen, wo man sich auf einen Schwatz, einen „Espetada“ und „um copo de vinho tinto“ trifft. Sehr lecker!


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